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Märkische Allgemeine
03.04.2010
GESCHICHTE: Wende auf Knopfdruck
Neue Ausstellung
veranschaulicht die Entwicklung des Havellands seit 1990
PAAREN IM GLIEN - Heute ist alles so einfach. Bildungsminister Holger
Rupprecht spitzt seinen Zeigefinger, drückt auf einen Knopf am Fernseher und
schon nimmt die Geschichte ihren Lauf. Menschen gehen in Falkensee auf die
Straße, halten Wende-Transparente in die Luft und rufen die Freiheit herbei.
Kaum ist das Politbüro zurückgetreten, ist Deutschland auch schon
wiedervereinigt und die Landschaften im Havelland, nun ja, sie blühen immerhin
im Frühling.
Dass dies
alles in Echtzeit nicht ganz so einfach war, zeigt die neue Ausstellung, die
Rupprecht am Donnerstag im Restaurant „Märkischer Landmarkt“ des
MAFZ-Erlebnisparks in Paaren per Zeigefinger eröffnet hat.
Bald ein
halbes Jahr lang haben der Paarener Erwin Bathe und der Film- und
Fernsehregisseur Klaus-Peter Krippendorff geschuftet, um die vielen
Ausstellungsstücke zusammenzutragen. Krippendorff hat Privatleute aus dem
Havelland aufgetrieben, die ihre privaten Film- und Fotoarchive für ihn
geöffnet haben. So bekam er rares Material von regionalen Wendedemonstrationen,
das jetzt über einen der zahlreichen Bildschirme flimmert. Fotos von einer Demo
in Nauen hat er auf riesige Kunststoffplatten gezogen und links und rechts am
Eingang aufgehängt, damit der Besucher sich gleich in die aufgeregte Zeit
versetzen kann. Alte Fotos von Falkensee, Nauen und Rathenow wurden neuen
Ansichten gegenübergestellt, um die Entwicklung zu verdeutlichen, die die Städte
im Landkreis in den letzten 20 Jahren genommen haben. Und dazwischen finden
sich immer wieder Gesichter von „Häuptlingen“, wie Krippendorff sie nennt, die
ihre eigenen deutsch-deutschen Geschichten geschrieben haben – sei es in der
Landwirtschaft, in der Industrie oder bei der Entwicklung eines Ortes.
Zur
Eröffnung haben die Organisatoren auch den Runden Tisch nachempfunden, an dem
nach dem Zusammenbruch der DDR über den weiteren Weg debattiert wurde, und sie
haben Zeitzeugen eingeladen, die damals die Entscheidungen am Tisch mittrugen.
Manfred Berndt etwa, Helmut Kloft, oder Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme,
der damals als junger Politikeinsteiger mitdebattierte. „Wir haben uns um viele
Dinge Gedanken gemacht“, sagte er. „Aber die Geschichte war meistens schneller
als wir.“
Bildungsminister
Holger Rupprecht war nicht nur zum Fernsehereinschalten gekommen. Er lobte auch
die Organisatoren für den Beitrag, den sie für die Bildung leisten. Er habe
viel Kritik einstecken müssen dafür, dass die DDR im Unterricht zu kurz komme,
so Rupprecht. „Aber ich habe die Schüler immer ermuntert, sich mit dem Thema zu
befassen, weil es mir selbst am Herzen liegt.“ Dafür seien die Schautafeln,
Filme und sonstige Ausstellungsstücke wie geschaffen.
Die
Ausstellung soll mindestens bis zum 3. Oktober im MAFZ geöffnet sein, sie ist
zu den regulären Öffnungszeiten des Erlebnisparks zu besichtigen. Der Eintritt
kostet 1 Euro. Erwin Bathe und Klaus-Peter Krippendorff haben auch ein Ziel vor
den Augen: Sie hoffen bis zum Tag der Deutschen Einheit auf 20 000 Besucher.
(Von Oliver Fischer)
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